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Schneekönigin

So wunderschön. So graziös. So kalt.
Meine Finger zittern, als sie über die eisigen Muster an den Fenstern einer alten Fabrik entlang fahren.
Die Silhouetten der vorbei gehenden Passanten spiegeln sich in dem Glas wider.
Ohne Reaktion, ohne einen Blick rauschen sie durch die fallenden Schneeflocken über den Gehweg.
Ich beiße mir auf die spröden, trockenen Lippen.
Zerre an meinem alten olivegrünen Mantel und schlinge den hellblauen Schal fester um meinen Hals.
Der Wind peitscht mir ins Gesicht und ich schiebe unwirsch eine schwarze Strähne zur Seite.
An mir drängeln sich hektisch Menschen vorbei. Ich existiere nicht. Nicht in ihren Augen.
Stumm lasse ich mich hin und her schubsen, bahne mir einen Weg durch das Meer von Geschäftsleuten, Teenager und Einkaufenden.
Tief grabe ich meine Hände in die Jackentaschen. Die klirrende Kälte durchdringt ungehindert meine Kleidung und befällt meinen Körper.
Von Minute zu Minute wird die Sicht unklarer, der Schneefall immer stärker.
Die Stadt wird in ein leuchtendes Weiß getaucht.
Der höhnische Blick eines jungen Mannes streift mein blasses Gesicht und seine Schulter stößt schmerzhaft gegen meine die meinige.
Reflexartig greife ich an die morsche Mauer eines Gebäudes, schürfe mir dabei die Handflächen auf. Mein Herz pocht, als ich erschrocken beobachte, wie ein roter Rinnsal Blut über meine Finger läuft und das Unschuldsweiß auf der Straße beschmutzt.
Hastig schlängele ich mich durch die Menge, entdecke mein Ziel und komme schlussendlich verstört an der Kante eines Brunnes an.
Ich tauche meine pochenden Hände in die eiskalte Flüssigkeit und schlucke die Tränen runter, die sich ihren Weg über meine Wangen suchen wollen.
Die offenen Wunden brennen wie ein Feuer, allzulange halte ich diese Kälte nicht aus.
Notdürftig kralle ich mich in den Stoff des Mantels um mir sowohl etwas Wärme zu geben, als auch den Schmerz zu unterdrücken.
Inzwischen zieht sich die Dunkelheit wie eine Decke über die Stadt. Ich zwinge mich zum Weitergehen, habe mir geschworen niemals aufzugeben.
Schritt um Schritt hinterlasse ich Spuren im Schnee.
Es fällt mir schwer, so verdammt schwer. Von jeglichem Gefühl verlassen stolpere ich über die Straße. Mein Atem steigt über mir in Wolken auf.
Ich keuche, schnappe nach Luft.
Die Kälte befällt meine Lungen, meine Seele.
Mitten im Lauf bleibe ich abrupt stehen.
Unter mir rauschen die Autos ihrem Ziel entgegen. Ich schleiche an das Geländer und lehne mich hinüber, um die stark befahrene Autobahn unter der schneeweißen Brücke ins Auge zu nehmen.
Flüssig geht der Verkehr von dannen. Die Fahrer haben Glück.
Autofahren ist eigentlich wie das Leben.
Oftmals geht es stetig und zügig voran, man überholt, muss abbremsen oder gerät in einen kilometerlangen Stau.
Irgendwann knallt man dann gegen einen Baum ...
Das ist das Ende, mein Ende, unser Ende.


....

© by pauZ!



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